Ich 2011 in Indien

Heute vor acht Jahren

Indien- das Land, das mein Herz aufbrach

Ich geb’s zu, ich bin etwas Facebook müde und habe mir deshalb auch selber eine digital Detox Kur verschrieben, obwohl ich Social Media für mein Business brauche.

Beisst sich total? Nicht unbedingt, denn auch ich unterliege den Mechanismen, die einem verlocken, noch mal schnell durch den Feed zu scrollen, noch mal schnell ein paar schöne, inspirierend Bilder auf Instagram reinzuziehen und noch ein paar nette Kommentare und Herzen zu vergeben und schwupps, steigt die Bildschirmzeit in erschreckende Höhen. Die drei Stunden am Tag wurden erreicht und das ist für mich zu viel.

Auch wenn ich es fürs Business nutze. Das geht effizienter. Deshalb der Entscheid zu digital Detox, nicht radikal, sondern effizient und fokussiert.

Heute ist dann dieses Bild von mir in meinem eigenen Feed aufgetaucht. Ich mag dieses „heute vor“… vor allem auch bei den paar Kinderbildern die ich gepostet habe. Heute vor acht Jahren war ich in Indien. Ich war „nur“ drei Wochen dort, doch Indien hat mich verändert.

Ich habe dort alles gegeben und alles bekommen und ich trage es für immer in meinem Herzen.

Ab nach Indien

Ich hatte auf Ende 2010 meine sehr gut bezahlten Job als Business Managerin an den Nagel gehängt. Sowohl für die Position wie auch für die Entlöhnung hatte ich hart gekämpft und ich hatte gerade meinen eMBA (executive Master of Business Administration) abgeschlossen. Doch ich hatte die Schnauze voll  und ich wusste, dass da noch mehr auf mich wartet. Als ich von Yogaretreat in Goa gehört habe, habe ich gebucht. Ich wusste nicht einmal was ein RETREAT ist, geschweige denn, dass es verschiedene Yogastile gibt und welcher in diesem Retreat unterrichtet wird. Die Yogalehrerin hatte ich noch nie vorher gesehen und auch sonst kannte ich nichts und niemanden, aber das liebe ich ja (war bei meinem Austauschstudium in Norwegen auch so…)

Karnataka, Gokarna

Der Plan war: neun Tage Retreat und dann den Rest der Zeit mal schauen. Ich hatte eine Strohhütte direkt am Meer und bin morgens mit Grillenzirpen aufgewacht. Wobei ich nicht daran gedacht hatte, dass es nicht so clever ist, den Weckton auch auf Grillenzirpen zu lassen, wenn draussen auch noch die Grillen zirpen, dann wacht man nämlich nicht auf 😉

Sonnenuntergang Goa

Ashtanga – hard core yoga als Einstieg

So bin ich dann ziemlich knapp in die erste Morgenyogastunde gestolpert und war erstaunt, wie anstrengend dieser Stil war: Ashtanga Yoga – hard core Version. Okay, das ist also Ashtanga: es wird ziemlich laut geamtet (gestöhnt) und nach jeder Position kommt ein Vinyasa, was nicht Yogis wohl am ehesten mit Liegestützen assoziieren würden. Bis am Ende der Stunde hat man bestimmt gegen 30 Vinyasas hinter sich, also 30 Liegestützen, neben den normalen Asanas (Yogapositionen) versteht sich. Also nix mit sanftem Einstieg, doch das war genau richtig. Denn wenn es anstrengend wird, bleibt nur noch der Fokus auf das Eine- den Atem und somit können die Gedanken nicht mehr so wirr umherschwirren wie sonst. Und körperliche Anstrengung, das liebe ich oder mein Körper, oder was auch immer. Das tut mir einfach gut und das war echt wichtig, dass ich da mal durch den Fleischwolf gedreht wurde, um an den Kern zu kommen.

eine der heiligen indischen Kühe am Strand von Karnataka, Gokarna

Gruppengefühl

So, das war die Morgenstunde, dann gab’s Brunch, Siesta und gegen vier Uhr kam die Abendstunde mit Meerblick, Vinyasa Flow, würde ich den Stil heute bezeichnen, viel sanfter, weicher und auch mit Zitaten ziehen und lesen und Reflexion über den Tag. Nahrung für die Seele. Dort sind wir auch als Gruppe zusammengewachsen.  Jede war mit ihrer Geschichte angereist, jede auf ihrem Weg und doch waren wir gemeinsam unterwegs. Wunderschön.

Der „You are shining“ Tag

Es war ein Tag, wo unsere Yogalehrerin noch einen TCM Therapeut eingeladen hatte und wir nach einer abermals sehr anstrengenden Ashtanga Session eine Gruppen TCM Session gemacht haben. Wir lagen im Kreis und David hat jedem von uns die gleichen Akupunkturpunkte genadelt. Als wir alle unsere Nadeln gesteckt bekommen hatten, ist irgendetwas passiert, die Energie hat sich verändert, der Kreis hat sich geschlossen. Es friert mich heute noch, wenn ich daran denke. Wir sind wie in ein höheres energetisches Level eingestiegen.

Am gleichen Tag hatte ich eine Reiki Behandlung und danach habe ich nur noch gestrahlt und es hat sich auch so angefühlt: nicht wie ein Glühwürmchen sondern wie ein Atomreaktor.  Sogar der Mann im Internet Cafe hat gerufen: „You are shining.“

Abends, bei unserer Reflexionsrunde kam einer der wilden Hunde, die immer am Strand herumlagen, zu mir, hat sich an mich geschmiegt und sich auf meinen Schoss gelegt. Diese feine Geste hat mich geknackt.  Es kam wie ein Wasserfall aus mir herausgeflossen. Ich habe noch nie in meinen Leben so geweint. Es hat sich angefühlt, wie wenn eine unheimlich harte Schale aufgebrochen worden wäre und nun endlich alles herausfliessen konnte. Es war befreiend und beängstigend zugleich.

Turning point

Es war so einer jener Momente, die mich geformt haben, ein Turning point in meinem Leben. Ich als Schulmedizinerin, Businessfrau, als Kopfmensch, bin in eine neue Welt eingetaucht – das zeigt mir der Blick auf dem Titelbild. Und nein, ich habe keine Drogen genommen, das schaffe ich auch ohne 😉

Es gibt noch mehr

Es ist nicht so, dass ich all die Dinge, die ich vor Indien gelernt und erlebt habe verneine, die nehme ich gerne alle mit, denn sie machen mich zu dem, was und wer ich bin, doch in Indien habe ich den Hauch einer Ahnung davon bekommen, dass es noch viel mehr gibt ausserhalb des rationalen Verstandes, ausserhalb der Naturwissenschaft, ausserhalb von dem, was ich bis dahin gelernt hatte und ich habe Lust bekommen, dieses mehr, dieses Universum zu entdecken.

Auf Entdeckungsreise

Nein, es müssen jetzt nicht alle nach Indien reisen, um ähnliches zu erleben. Es reicht, dahin zu gehen, wo es dich hinzieht. Du hast Kopf und Herz, hör zu und folge deiner Intuition oder dem was dich anspricht, worauf du Lust hast. Wird es easy? – Nein, das ist nicht der Plan. Wird es Herausforderungen geben? Bestimmt.  Wird es spannend? Auf jeden Fall!

Enjoy the ride!

Love

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